Tschüss und Atsche!

12 Jahre später ist Schluss. Die Flohbude wird ihre Pforten schließen.

Das Netz ist nicht mehr, was es war. Ich bin nicht mehr der, der ich war. Alles verändert sich. Das Eine zum Guten, das Andere zu etwas Anderem.

Da zu befürchten steht, dass, wenn wir nicht aufpassen, die Aufmerksamkeitsideologie uns alle auffressen wird, ziehe ich hier einen Schlussstrich. Wenn es nur noch um mutwilliges Missverstehen, Denunziation, Bedrohung, Agenda-Setting, Manipulation, Rants, kurz: Erregung ohne Denken, noch kürzer: Radau geht, ist das nicht mehr mein Netz. Ich will Bienen hören, kleine Dinge sehen, stille Momente erleben können. Das geht aber nicht in diesem scheinriesenhaften Netz, das nichts ändert außer jene, die sich in ihm befinden.

Irgendwann haben wir alle anscheinend vergessen, dass auf der anderen Seite des Internetkabels möglicherweise ein Mensch sitzt. Sich irrend. Sich einen Spaß erlaubend. Unzufrieden mit seinem Leben, welches naturgemäß nicht unser Leben ist. Voller Freude über Dinge, die wir als nichtig oder verachtenswert halten, was wir dem Gegenüber stante pede auch gleich mitteilen. »Wir denken zu viel und fühlen zu wenig«, ließ Chaplin seinen jüdischen Frisör sagen, den alle für den arischen Führer halten. Heute würde er wahrscheinlich »Wir fühlen uns zu oft denkend« sagen.

Ich habe tiefe Freundschaften über dieses Medium knüpfen können, genoss in Stunden voller Angst Beistand durch euch, liebe Leser, fühlte meine Stimme durchdringen, als alles nur noch wild herum brüllte, erlebte persönliche Brüche, aus Gründen, die so absurd sind, dass sie mir keiner glauben würde. Ich sah meine Texte in Büchern und Zeitschriften erscheinen, um mich noch auf deren Präsentation als Nazi und Rassist beschimpfen lassen zu müssen, weil andere in meiner Stadt, meinem Land, meiner Umwelt eben genau das sind. Einige Menschen bedrohten mich, andere wiederum fingen mich wieder auf. Mancher wollte alles verstehen, einige alles missverstehen. Doch das Gute überwiegt, weil das Schlechte nur ein Loch ohne Substanz in der Leinwand des Lebens ist.

Der Twitter-Account geht Ende des Monats in Rente. Das Blog wird zu Dokumentationszwecken noch eine Weile bestehen bleiben und dann auch nur noch Erinnerung sein.

Und nun muss ich weiter gehen.
Dankbar, dennoch.
Ja.
Dankbar.

Schubél