Sächsische Zeiten

Eine Übersicht über die AfD- und GIDA-Periode Deutschlands in diesem Blog. Die Übersicht wird laufend erneuert. Aktueller Stand: 23. Februar 2017.

Niemals hätte ich gedacht, dass es solche Ausmaße annehmen wird. Doch jetzt erkenne ich, wo die beiden letzten Jahre hin geflossen sind. Nun, da sich LEGIDA in meiner Heimat verabschiedet hat, sprechen Viele von einem Sieg der Demokraten über ihre Gegner. Ich sehe das kritisch: Wir haben uns glücklicherweise rechtzeitig und wirkungsvoll gegen das zur Wehr gesetzt, was unser selbstgerechter Dämmerschlaf überhaupt erst möglich gemacht hat. Legen wir uns jetzt zufrieden hin, beginnt alles wieder von vorn.

Es bleibt die Verantwortung des Einzelnen. Keine Delegation möglich. Wir müssen jetzt diese Trümmer beseitigen. Darauf achten, dass keine Verlierer zurück bleiben. Wachsam bleiben. Das menschenfeindliche Gedankengut wird nicht einfach verschwinden, nur weil ihre Träger nicht mehr demonstrieren. Lasst sie uns zurück gewinnen, so sehr uns auch dieser Gedanke heute noch als undenkbar scheint. Es ist der einzige Weg.

Das wäre dann ein Sieg.
Ein echter.

12. Januar 2015 – LEGIDA

Wird dies der Tag der Spaltung sein? Können wir uns morgen alle wieder begegnen und in die Augen sehen? Ein Albtraum: Jemanden auf der anderen Seite sehen, den man kennt, einen Verwandten vielleicht oder Arbeitskollegen.

Gedanken vor der ersten LEGIDA-Demonstration. Was macht das mit mir? Mit Leipzig? Wo wollen wir eigentlich hin?

29. Juli 2015 – Der sächsische Sommer

Der Sächsische Sommer begann bereits im letzten Herbst. Er ist noch immer voller Kälte, dass sich niemand in ihn hinein wagt, aus Furcht, darin politisch umzukommen. Als würde es draußen tauen, wenn nur genügend andere erfroren sind. Ein ratloses Bedauern.

Wie sich die Sprache des Politischen verändert und mir erste Bewegungen deutlich werden, die aufgeheizte Atmosphäre für sich auszunutzen. Audiomitschnitt von Bürgeräußerungen gegen eine Dresdner Flüchtlingsunterkunft #ZeltstaDD.

17. August 2015 – Ich bin Gutmensch, aber das ist ok

Es ist mir gleichgültig, was ihr sagt. Euer Reden, Schreiben, Hetzen, Geifern. Ihr seid mir gleichgültig. Weil euch alles gleichgültig ist. Nehmt dies als Kompliment. Nehmt es als Beleidigung. Es ist mir gleich.

An ihren Worten werdet ihr sie erkennen, weil aus ihnen Taten werden. Shame on you, unselige Kommentarsektion der Onlinemedien.

22. August 2015 – Ockhams Razor

Wir leben in einer Erklärokratie, in der immer bis zum Hypothesen-Halali analysiert wird – Neben Jammern und Fluchen dürfte das die dritte deutsche Kardinaltugend sein. Es geht aber dank gesundem Menschenverstand vielleicht auch kürzer.

Proteste in Heidenau. Demonstrant mit einem Basecap der Polizeigewerkschaft gesichtet. Nett: Wurde, zwar quellenunerwähnt, sogar von SpOn aufgegriffen.

1. September 2015 – Als Gott LEGIDA ausschiss, muss er Würmer gehabt haben – Eine Diagnose

Friedensgebet an LEGIDA, garniert von Tinnitus, festgehalten in einem Notizbuch. Es gibt auch eine Liebesgeschichte.

Der erste LEGIDA-Bericht, noch aus der Perspektive der Gegendemos heraus. Auftritt Ferdindand aus Kamerum. Running Gag einer Epoche: Stephane Simone diskutiert mit einem Polizisten.

8. September 2015 – Drei zu Eins

Die Leipziger Montagabende sind wieder fest im Kalender markiert, denn LEGIDA spielt »Politische Süßwarenkasse« und wälzt sich zornig schreiend auf dem Boden herum. Was kann man tun? Drübersteigen und ruhig bleiben.

Eindeutige Zahlenverhältnisse. Die Gegendemonstranten zwingen LEGIDA auf eine Kurzstrecke. Sehr viel Fußballklientel vor Ort.

15. September 2015 – Stillstand ist Fortschritt

Stagnation? Ruhe vor dem Sturm? Das Anfang vom Ende? Die Gegendemonstration gegen Legida kann sich beglückwünschen, sie wirkte. Doch welche Überschrift kann man solch einem Abend geben?

Eine noch größere Hooligangruppe stößt zu LEGIDA. Gegendemos stoppen deren eigenmächtig gestarteten “Spaziergang”.

27. September 2015 – Drei Tage Leipzig

Ein Idee zu opfern, ist schwer.
Eine Stadt zu opfern, wäre Verrat.
Eine Stadt für eine Idee zu opfern, ist legitim.
Ist ja nicht die Hauptstadt.

Mehrere Veranstaltungen in einer Woche. Stehe zum ersten Mal am direkt LEGIDA-Gitter. Das Grauen. Es wird ein symbolischer Sarg durch die Stadt getragen. Eskalation am Rande einer OfD-Demo.

18. Oktober 2015 – Ende einer Freundschaft

Die Gesellschaft reißt. Ist es besser, sich von Menschen zu trennen, die sich gegen alles stellen wollen, wofür man selbst steht? Die letzte Mail einer Freundschaft.

Hat nur indirekt mit LEGIDA zu tun, war bzw. ist jedoch ein Indikator, was die Situation mit mir und meiner Interaktion mit meinem Umfeld macht.

20. Oktober 2015 – Mikro. Makro. Mittendrin

Mit offenen Augen in einen Strom von nach Scheiße riechender Angst eintauchen. Inmitten einer Besorgten-Nazi-Hooligan-Demo mitlaufen. Was man Samstagnachmittag halt so macht. Protokoll eines Ekels.

Nehme zum ersten Mal an einer OfD-Demo in Grünau teil.

2. Februar 2016 – Der Ami. der Jude, der Russe und ich

Zum ersten Mal inside LEGIDA. Ein Bericht in drei Teilen.

Teil 1: blog.flohbu.de/der-ami-der-jude-der-russe-und-ich-teil-i

Am 1. Februar 2016 habe ich an der LEGIDA-Demo teilgenommen. Ich wollte wissen, was das für Menschen sind, wie sie reden, vielleicht auch, wie sie denken oder fühlen. Reden wir also über Standpunkte.

Teil 2: blog.flohbu.de/der-ami-der-jude-der-russe-und-ich-teil-ii

Wenn ich super bin, und der andere fremd, warum erkennt keiner außer mir die Wahrheit? Der zweite Teil des LEGIDA-Berichts: Wahnsinn? Läuft!

Teil 3: blog.flohbu.de/der-ami-der-jude-der-russe-und-ich-teil-iii

Wir sind auf dem Rückweg. Von mir aus könnte es jetzt schon vorbei sein. Schlecht ist mir seit einer ganzen Weile schon. Ich schäme mich weil ich mir einbilde, dass die Menschen auf der anderen Seite mich ansehen und denken: So sehen also Rassisten aus. Dumpfe Volksmenge. Sexistische Kackvögel. Und der da, in der roten Jacke, der ist bestimmt einer dieser rückgratlosen Mitläufer.

Diverses Quellenmaterial: blog.flohbu.de/der-ami-der-jude-quellenmaterial

Da von bestimmter Seite der Verdacht geäußert wurde, dass die Serie zum Legida-Spaziergang nur ein ausgedachtes Hirngespinst ist, präsentiere ich hier vorab etwas Quellenmaterial.

21. Februar 2016 – In der Höhe – Rettungsversuch. Reisegenuss

Menschen suchen Menschlichkeit.
Sie bekommen: Sachsen.
Eine Nestbeschmutzung.

Von allen fixen Ideen, die ich in meinem Leben hatte, war diese wohl die dunkelste. Ich hoffe erspüren zu können, was ich mir von daheim aus nicht erklären kann.

25. Februar 2016 – Schubél? Extremiste!

Man ist, was man isst.
Oder: Man ist, zu was man gemacht wird.

Sekundär geht es um eine Unterstützer-Demo vorm Rathaus, primär um Begriffe und Deutungshoheiten.

7. März 2016 – Trommeln in der Dunkelheit

Am 1. Februar 2016 habe ich an der LEGIDA-Demo teilgenommen. Um das Phänomen begreifen zu können, muss man sich hinein begeben, dachte ich, mitgehen, zuhören. Aufgeschlossen sein, redlich sich selbst und dem Anderen gegenüber, immer auf der Hut vor Dogmen oder Stereotypen. Vielleicht sogar verständnisvoll, wenigstens aber: objektiv.

Reflexionen in Vorbereitung einer weiteren LEGIDA-Begleitung

10. März 2016 – Don’t cry for me Ficki-Ficki

Lutz Bachmann & Tatjana Festerling besuchen LEGIDA. Den Ordnungsbehörden werden meine bisherigen Inside-Berichte beim Kooperationstreffen vorgelegt, worauf man Maßnahmen ergreift.

Teil 1: blog.flohbu.de/don-t-cry-for-me-ficki-ficki-teil-i

Würde gerne Bilder schreiben können, ohne Wertung. Meinung zulassen, ertragen, statt zu erzeugen. Doch mehr Aufrichtigkeit ist nicht möglich.

Teil 2: blog.flohbu.de/don-t-cry-for-me-ficki-ficki-teil-ii

Wir starten auf dem Platz des antisemitischen Komponisten und enden in der Bachmann-Stadt. Lepzig, my dear!

15. März 2016 – The day AfDer

Erwin, Günther und alle, die sie kennen, haben AfD gewählt. Haltense uns aber nicht für Nazis! Aber früher, kann ich ihnen sagen, waren die Bahnen sicherer!

Einen Tag, nachdem die AfD mit 24% in den Landtag von Sachsen-Anhalt einzog, bei einer Montagsdemo in Halle.

5. April 2016 – Sichtbarkeit

Keine Besorgnis. Kein Patriotismus. Nur der Zusammenschluss, vor dem wir seit Monaten warnen: Nazis und LEGIDA.

Gefährliche Bündnisse. Und die Absperrgitter stehen erstmals direkt am Straßenrand.

8. April 2016 – Transit

Noch eine Unterkunft im Leipziger Norden? Für 1500 Personen? Ohne Ankündigung? Fragen über Fragen und ein Tag, sie zu stellen.

Tag der offenen Tür in einer neu errichteten Flüchtlings-Registratur-Unterkunft. Frage: Was macht die Situation im großen und kleinen mit mir? Bekomme erstmals Ärger mit Bekannten, die meinen, ich sei “zu versöhnlich” mit den beschriebenen Menschen umgegangen. Die Situation verändert uns alle.

24. April 2016 – #le2104

Wie Pinnie der Wu uns vorgestellt wird und sich wundert

LEGIDA legt einen großen künstlichen Kackhaufen vor die Polizei. Es gibt eine ergebnislose Bombendrohung. Der Bericht passt sich dieser Infantilität an. Geschrieben für meinen Sohn, von ihm bis heute geliebt. Durch und durch mit Codes versehen. Kaum zur Kenntnis genommen worden. Mein liebster Text.

28. April 2016 – #DD2504

Das erste Mal PEGIDA in Dresden. Die Grenze des Erträglichen wird strapaziert.

1. Teil: blog.flohbu.de/dd2504

Blauer Himmel, gelber Raps. Eine barockschlanke Frauenwolke räkelt sich über die Landschaft, Windanlagen fächeln ihr Luft zu. GOTO: Dresden.

2. Teil: blog.flohbu.de/dd2504-teil-2

(Inklusive Interview mit “Johanna”, einer Aktivistin aus Dresden)

Menschen strömen an mir vorüber. Ich stehe in Dresden und bin doch nicht hier. Hier ist woanders. Muss es einfach sein. Die Uhr schlägt Neunzehnfünfundvierzig. Ich erwache inmitten von PEGIDA.

20. Mail 2016 – Mögen Muezzine montags Musik?

Falsche Urteile: Sie entstehen meistens durch nur oberflächliches Hinsehen. Um dies zu verhindern, bin ich noch einmal nach Dresden gefahren.

Mit Kaltland-Reisen in Dresden. Inside einer Veranstaltung der “Festung Europa”, Tatjana Festerlings PEGIDA-SpinOff. Presse wird bedrängt. Mitbestimmungsrecht an Rentenpunkten definiert. Erster Kontakt mit der schlechtesten Versammlungsbehörde der Welt.

31. Mai 2016 – Halle – Leipzig – Dresden

Im Vergleich zu Dresden haben Leipzigs Demonstationsanmelder Glück mit den Versammlungsbehörden. Geht das vielleicht noch besser? Willkommen in Halle an der Saale!

Gegendemo-Beobachtungen in einem Hallenser Neubaugebiet. Positiv interessante Erlebnisse mit anhaltinischer Polizei. Halle vs Dresden: Versammlungsbehörden im Vergleich.

6. Juni 2016 – #le0606 – War was?

Gleichmäßig fährt eine Stange nach oben, verhakt sich in der hochgeklappten Seitenwand eines Transporters und befördert diese ruhig nach unten. Keine Aufregung nirgends. Jeder Handgriff sitzt, Routine bestimmt das Bild.

Der Anfang vom Ende. Die Trennung von Dresden schwächt Leipzig immer mehr. Festerling und Wagensveld versuchen sich in Guerilla-PR und scheitern bereits im Vorzimmer des Oberbürgermeisters. Demonstranten wollen das islamische Fastenbrechen mit Schweinsköpfen sabotieren.

4. Juli 2016 – Demokratie braucht Wächter

Erst wichtelte man jede Woche wahn. Dann nur noch einmal im Monat. Jetzt fand eine weitere Komprimierung statt: Zwei Demos zum Preis von einer. Bericht aus dem kognitiven Dissonanzraum des Volkes.

Nazis wollen gegen LEGIDA demonstrieren. In der Demo wird Jürgen Kasek als Schlägerbeauftragter stilisiert. Danach erfolgt angeblich ein Überfall von Linken auf einen Ordner. Leicht durchschaubare Propaganda-Aktion mit Anspruch auf radikale Selbstermächtigung.

September 2016 – Ein halber September

Das Gebrüll: Fast vergessen. Leere Straßen. Hitze und gebuchte Urlaubsreisen treiben die Menschen aus ihren Wohnungen hinaus in die Welt. Fremdenfeindliche Demonstrationen inmitten der Stadt? Wie Gespenstergeschichten, so fern und unwahr.

Besuch auf zwei vollkommen unterschiedlichen Infoveranstaltungen zum Thema “Asylunterkunft”. Auswirkungen auf LEGIDA. #NoLegida kündigt seine Auflösung an.

16. Oktober 2016 – #dd1610

Tiefes Land, flaches Land. Lang sind die Felder, raubraune Furchen neben im Wind grünzitternden Erinnerungen an den Sommer. Eine Goldkante unter dem Horizont, baumbegrenzte Alleen, ab und an ein Auto. Wir wollen nach Dresden. Wir lassen alles zurück, wieder einmal. Doch vor allem: Farbe und Lachen.

In Dresden. PEGIDA feiert seinen zweiten Geburtstag nach dem desaströsen “Tag der deutschen Einheit”.

Januar 2017 – Härte

Ein Zwischenruf. Abgedruckt im Buchprojekt der Journalisten Kleffner und Meißner, das im Frühjahr 2017 erscheint.

22. Januar 2017 – Roter Marmor

2017 bewegt sich die politische Landschaft Deutschlands. Im Sidestep aus der Ära Merkel heraus oder als Absturz nach rechts?

Bericht von einer Veranstaltung mit Frauke Petry in Leipzig. Thema (angekündigt): Extremismus. Thema (eigentlich): Wie großartig die AfD ist und weshalb alle anderen schlecht sind, weil sie das nicht wahrhaben wollen.

18. März 2017 – Game of Bones – #le1803

Die Nazis kommen und Leipzig vibriert. Erste Gedanken aus dem Auge des Orkans.

Die alten Nazi-Kader wollen es noch einmal in der »Frontstadt Leipzig« versuchen. Wir bereiten uns vor. Doch auf was? Oder besser: Gegen wen?

27. März 2017 – #DD2703

Einigkeit auf den einschlägigen Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse: In Sachsen leben nur Nazis und Rassisten, vor denen man einzig fliehen kann. Grund genug, wieder mal PEGIDA zu besuchen.

In Dresden. Gespräche mit PEGIDA-Besuchern. Musik gab es auch.

Radio- und Zeitungsbeiträge

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Schubél