Roter Marmor

2017 bewegt sich die politische Landschaft Deutschlands. Im Sidestep aus der Ära Merkel heraus oder als Absturz nach rechts?

Im Februar auf mildes Wetter zu hoffen scheint naiv zu sein, ebenso wie die Erwartung, dass in einem Wahljahr selbstkritisch und differenziert mit der politischen Situation umgegangen wird. Beide Großwetterlagen bestehen hauptsächlich aus unangenehmen Zuständen. Durch den Regen, der einzig als Provokation des Novembers gegenüber dem April gelten kann, gehe ich in die Innenstadt. Dort, direkt hinter dem Alten Rathaus, steht die Alte Handelsbörse. Ein kleiner frühbarocker Gabäudewürfel, beliebtes Fotomotiv bei Touristen, auch wegen des davor stehenden Goethe-Denkmals. Im Advent drängen sich hier unzählige Besucher über den Vorplatz, um den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt zu besuchen, in der Kälte Glühwein oder Met zu trinken und sich überteuerten Schund andrehen zu lassen, der sie an ein imaginäres Damals erinnert. So auch heute. Nur ohne Geist der Weihnacht, dafür mit ganz viel »Geist der Wehmacht«. Wanderhure trifft Eurokrise bei einer Veranstaltung der sächsischen AfD-Landtagsfraktion.


Die sächsische Abteilung der Partei ist, man kann es nach diesem Abend nicht anders sagen, der letzte Schutzwall gegen alles Böse. Vor allem aber wird sie permanent unterdrückt. Im Landtag redet niemand mit ihnen, ihre politischen Ideen werden allesamt geklaut und wenn sie und ihre unzähligen Kleinen Anfragen nicht wären, wüsste bis heute keiner außer ihnen, dass Sachsen sehr sächsisch ist. Das Thema heißt heute somit folgerichtig »Extremismus in Sachsen – Ein Land im Fadenkreuz. Positionen der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag«. Neben Frauke Petry (»Vierfache Mutter! Firmengründerin! Bundesverdienstorden! Doktor!«) und Uwe Wurlitzer (»Uwe Wurlitzer!«) von der Partei selbst, sind auch die Journalisten Hans-Hermann-Gockel (»ehemals!«) und Andreas Lombard (»Berlin!«) angekündigt.

Vorm Kaufhof spielt eine junge Frau Gitarre und kehlt in den Abendhimmel. Aus dem warmen Licht des Eingangsbereichs kommen PETA-Aktivisten auf mich zu, mit Schildern behangen, Adresslisten befüllend, voller positiver Energie. Ein Radfahrer fährt mich beinahe über den Haufen. Einkaufende schimpfen über irgend etwas und verschwinden wieder in einem Ladengeschäft, denn Shopping entspannt. Stünden nicht an jeder Ecke Mannschaftswagen der Polizei, wäre dies eine deutsche Einkaufszeile von vielen, eine gesichts- und leblose Transitzone zwischen Werben und Enttäuschen. An der Alten Handelsbörse wandelt sich das Bild aber doch deutlich. Eine Polizeikette versucht die strategische Oberhand über das Plätzchen zu behalten. Will man zur AfD, muss man durch eine Menge junger Leute gehen, die aus ihrer Abscheu gegenüber Rechts keinen Hehl machen. Anders jedoch, als die Rechten es sich später zurecht legen, ist hier niemand aggressiv oder auf körperliche Konfrontation mit Einzelnen aus.

Unbehelligt gehe ich hindurch und treffe schon im Eingangsbereich auf einen nervösen Uwe Wurlitzer. Die Stirn tief in Falten gezogen, wartet er auf seine Chefin. Seine politische Karriere begann 2004 in der CDU bevor er 2013 zur AfD wechselte. In beiden Parteien war er unter anderem als Wahlkampf-Koordinator tätig und wenn man ihn an diesem Abend erlebt, wird einem schnell klar, dass seine leutselige Baustellen-Attitüde dabei mehr als hilfreich gewesen sein dürfte. Er ist ein großer, gutmütiger Teddybär, redet über dieses, jenes, welches und erzeugt dabei eine Atmosphäre wohlfühligen Zustimmens, ganz egal, welches Thema gerade besprochen wird. Der kumpelnde Kümmerer bietet seine breiten Schultern Jedem zur Übernahme aller Sorgen an. Sollten Sie keine Sorgen haben? Keine Angst – davon hat er genug für alle. »Schönen Guten Abend« begrüßt er mich, weil er weiß, dass sein überwiegend älteres Publikum von ihm ein gewisses Hofieren erwartet. Wurlitzer besteht im Kern aus dem selben Material wie alle weinerlich-aggressiven Jammer-Ossis, doch im Unterschied zu diesen ummantelt er sich mit dem politschmutzabweisenden Oberflächenmaterial des provinziellen Honoratiores. Einer, der sich ständig über Benachteiligungen beschwert, um dann im Herzen einer großen Stadt, von Polizisten und Sicherheitskräften umgeben, eine exponierte Veranstaltung abhält. Er muss nicht hoffen, dass niemand den Widerspruch bemerkt – Er weiß, dass es so ist.


Ich gehe die Treppe hinauf. Im eigentlichen Veranstaltungssaal glitzert und blinkert es wie im Traumschiff auf Red-Bull-Wodka. Sicherheitskräfte, gekleidet in billiges Polyester, versehen mit corporate-identity-Krawatten und Breivik-Bärten, besetzen die strategisch wichtigen Plätze im Raum. Chorknabös, die Hände vorm Schoß übereinander gelegt, wollen sie Beschützer und nicht Bedroher sein. Das funktioniert. Wie schon bei den LEGIDA-Demos sind die rechtsauslegenden Autoritätssehnsüchtler des Publikums sehr beflissen, selbst den letzten Schrank in Menschengestalt zu begrüßen und um Erlaubnis zu bitten, sich hinsetzen zu dürfen. Neben den Stuhlreihen wird eine Kamera aufgebaut. Ihr Bediener pendelt zwischen einer immer leerer werdenden Burger-King-Tüte und seinem Equipment hin und her. Hinter AfD-Slogan-Aufstellern auf dem Podium verschwindet ein glatzköpfiger Fotograf und wechselt seine Objektive aus. Dass man mit Bildern Politik machen kann, wussten in Deutschland schon andere. Leider erfolgreich. Daher ist es wichtig, dass wir hinsehen, denn Bilder können täuschen. Dieser Text ist da keine Ausnahme.

Die Menschen im Saal vertreiben sich die Wartezeit mit Diskussionen. Alles beherrschendes Thema: Die Höcke-Situation. Erfahrungen werden ausgetauscht, wie man das »…bei uns früher in der CDU« gemacht habe. »Alles das ist nicht schön. Wenn es nach außen geht, kriegen wir nämlich richtig Probleme. Interne Gespräch hierzu wären besser«, meint ein älterer Herr, der in seinen weiteren Ausführungen keinen noch so abenteuerlichen Schlenker der Weltpolitik mit einem »Ist doch alles ganz einfach!«-Rat versieht. Russland? Kein Problem – Putin ist zwar machtbewusst, aber im Herzen ein Friedensengel. Le Pen? Ihr Vater war sicherlich problematisch weil knüppelharter Nationalist – »Obwohl das auch wichtig ist!« – doch sie macht das politisch geschickter. Syrien? Flüchtlinge? Rundfunkgebühr? Klimawandel? Demokratie? Kann alles weg. Irgendwie. Ganz einfach. Die Saturierten haben alles, aber vor allem recht.

Ja, Toto, wir sind wahrhaftig nicht mehr in Kansas

Schnell sind auch die letzten Stühle besetzt. Ich sehe mich um. Das Publikum wirkt auf erschreckende Weise »normal«. Es sind Leute, bei denen sich das schnell verklebte Etikett »Nazi« rückstandslos ablöst. Im Grunde sind es zwei Gruppen. Die eine befindet sich an einer zerbrechlichen Zone ihres Lebens, sieht sich bedroht durch Arbeitslosigkeit, Erfahrungen von Ohnmacht, Rentenkürzungen oder Inflationen, plötzlich verursacht durch etwas Neues, das sie nicht einschätzen können, ihnen aber plausibel mit dem Erscheinen von Flüchtlingen verknüpft wurde. Jemand stahl ihnen eine Größe, die sie nie besaßen und gab ihnen dafür eine freiheitliche Individualität, die nur schwer mit diesem Verlust klar kommt. Die anderen, deutlich reflektierteren, in der Unterzahl sich befindenden, sind jene, die dieses Szenarien und Verknüpfungen herstellen. Sie wissen genau, wie mit empathisierender Zuspitzung Zustimmung generiert und der eigene Status verbessert werden kann. Unser Alltagsrassismus ist ihr Treibstoff und sie haben keine Skrupel, politisch vollzutanken.

Indes langweilt sich Gockel auf der Bühne neben Lombard. Ergraut aber von der Sonne gebräunt ist der der menschgewordene Gegenentwurf zum Februar-Wetter. Auf jedem Sitz liegt ein Flyer für sein Buch. Neben mir wurde ein Poster mit Klebeband an die historische Wand gepappt: »Finale Deutschland. Asyl. Islam. Innere Sicherheit. Mit Klartext gegen die Gedankenfeigheit«. Für 19,99 Euro kann man sich hier eine neue Dosis Sarrazinismus erwerben, zwar mit etwas Lutz Bachmann gepanscht, dennoch aber nicht weniger wirres Hörensagen als anderswo. Und man bekommt zum Kauf noch eine Signatur dazu. Na wenn das nix ist, schließlich war Gockel im SAT1-Frühstücksfernsehen.


Geduldig tauscht das Publikum seine PEGIDA-Erfahrungen aus. Einhelliges Wohlgefallen über die Aktion der Identiären Bewegung, die in einer Tageslicht-und-Klare-Sicht-Aktion seelenruhig ein Banner an das kürzlich aufgestellte Kunstwerk knüpfen konnte. Auf einer Hebebühne. Vor den Augen der Öffentlichkeit. 300 Meter von einer Polizeiwache entfernt und die Dresdner Dämmerschläfer damit vollkommen überraschend. Ein Mann mit AfD-Brillenbügeln fotografiert den Saal. Auf der Rückseite seines Samsung klebt das Bild einer nachgeahmten Reichskriegsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit Adler in der Mitte). Stolz erklärt er, wie er bei der Sparkasse nachgefragt hat, was sie davon hält, dass ihre Werbung auf den hochkant gestellten Bussen vor der Frauenkirche prangt. Und das, als er es in den Sozialen Medien gepostet hatte, »ganz schön was los!« war. Doch nicht genug. Er will auch umwelttechnisch den ganz dicken Otto los machen und Bodenproben nehmen lassen. Angeblich sei Öl ausgelaufen und verseuche nun den kompletten Platz vor der Frauenkirche. Stunk machen mit Belanglosigkeit. Ja, Toto, wir sind wahrhaftig nicht mehr in Kansas, sondern bei Deutschlands Rechten.


Das Pfeifen schwillt an. Etwas geschieht. Saalwacht und Fotografen gehen in Stellung. Petry ist da, unpünktlich aber den Popstar-Jubel genießend. Draußen trillern die Gegendemonstranten unaufhörlich in die Dunkelheit. AfD-Brille meint, dass nun der Zeitpunkt gekommen wäre, das Fenster zu öffnen damit er sein »Maschinengewehr in Stellung bringen« kann. Wie war das Thema des Abends noch einmal? Achja: Der Extremismus. Der Anderen.

Der Jubel will nicht abreißen. Selbst als alle Protagonisten bereits sitzen, klatscht es noch im Raum. Und klatscht. Und johlt. Und klatschtjohlt. AfD-Gegner haben in weiser Voraussicht ebenfalls die Veranstaltung besucht und tragen nachhaltig zu Irritationen bei, welche die AfD später in ihrem Jubelbericht auf Facebook als »frevelhaft« bezeichnen wird. Wurlitzer schaut grimmig in den Raum. Anscheinend ist er noch nicht einmal unter Getreuen so viel Zuspruch nicht gewohnt. Petry riecht den Braten schneller. Gockel nestelt an seinem Headset herum, Lombard weiß nicht so recht, ob er schon anfangen oder es gleich ganz bleiben lassen soll. Der AfD-Fotograf beginnt Bilder von den Gegnern zu machen. Es wird leiser. Doch nur vorübergehend, denn die Hustensaison fordert ihren Tribut. Während die Moderation mit der Seriosität eines Gebrauchtsarghändlers den Abend einzustimmen versucht, keucht und bellt es aus den hinteren Reihen. Irgendwann tippt die Unsichtbare Hand auf Lombards Schulter. Er sieht auf, hält kurz inne, macht aber weiter. Ebenso das Auswurforchester. Nun dämmert es auch dem Podium, was hier läuft und dass es sich dabei nicht um Bronchialsekrete handelt. »Sollen wir eine Hustpause machen?«, fragt der Moderator über seine Brillengläser hinweg. Antwort: Husten, lautstark.

Screenshot AfD-Video

Spätestens jetzt hat auch das Publikum begriffen, das etwas anders ist. Die AfD-Brille weiß: »Die haben doch alle TBC«. Der Saal köchelt sanft an. Erste rufen »Weg mit dem Zeuch!«, »Die haben noch nie gearbeitet und Steuern gezahlt!« und »Rausschmeißen!!!«. Wurlitzer gibt das Signal. Die Security-Schlipse schwärmen aus. Handys werden gezückt. Hier ist heute richtig was zu erleben! Energisch werden die Bronchialkatharrösen zum Gehen aufgefordert. »Wir haben Hausrecht – Raus hier!«. Besser kann man das AfD-Denken nicht beschreiben. Dumm nur, dass der Saalordner diese Punchline brachte, bevor Petry sie nutzen konnte. Diese bekommt nun jedoch die Rolle der staatstragenden Besänftigerin. »Wir haben auch kein Problem damit, wenn politische Gegner zu unseren Veranstaltungen kommen«, bittet sie um Ruhe. »Wir freuen uns auch besonders, wenn sie bereit sind, mit uns zu diskutieren, und nicht rumzubrüllen«. Applaus. Diesen Elfemeter konnte sie sicher verwandeln.

Als wieder Ruhe einzieht, setzt Gockel sein Referat fort. Er ist ein Bachmann mit Hochschulreife. Was der Dresdner Völkchentribun unbewusst aus der Zirbeldrüse holt, ist bei Gockel erlerntes Kalkül. Wie spiele ich mit einer Zuhörermenge? Wo muss ich Impulse setzen, damit das Publikum wach bleibt? Man muss zugestehen: Der Mann versteht sein Metier auf grausame Weise. Sein Vortrag besteht aus Fremdenhass, Medienschelte, befeuert Politikverdruss, ist besserwisserisch bis in die hinteren Schmerzregionen hinein. Alles wird vertuscht. Presse und Politik verarschen alle. Das Publikum ruft zum ersten Mal laut »Jawoll«. Ich bin auf einer reinrassigen GIDA-Veranstaltung. Auch wenn sie überdacht ist und ich dabei sitzen kann, ist mir nicht weniger unwohl. Argumentationsketten fesseln imaginäre Achmeds, Mohammeds und den leider sehr konkreten Anis Amri aneinander. Extremismus? Gibt es praktisch nur von Links oder Muslimen, tausendfach, und immer auf die wertvollsten Mitglieder der Gesellschaft: Polizisten und Feuerwehrleute. Belege? Braucht hier kein Mensch. Der common sense, jene schwarze Glibbermasse aus Vorurteilen und Verbitterung, fließt unter dem roten Marmorboden entlang. Seine Dämpfe wabern auf und vergiften das Denken. Heute ist der Abend der eigentlichen Durchblicker. Hier wird alles gewusst, nicht bloß vermutet oder gar differenziert.

»Ich bin bewaffnet!«, hebt Gockel an. Raunen im Saal. Endlich macht einer Ernst. Unruhe. Wenn sogar die augenscheinlich Nichtradikalen mit Knarre vor die Tür gehen, dann dürfen wir ja erst recht… »Ich gehe ohne diese meine Waffe niemals vor die Tür. In Tagen wie diesen ist das unvermeidlich«. Vermutungen werden angestellt. Reizgas? Elektroschocker? Schreckschuss? »Nein, das wird schon eine echte Pistole sein. Der ist doch als Journalist auf der Liste ganz weit oben«, vermutet man sich durch das eigene Waffenarsenal. »Meine Waffe ist«, spricht Gockel weiter, in die Tasche seiner Jacke greifend. Der Saal scheint kurz die Luft anzuhalten. Alles schwebt. Ist heute der Tag, an dem Selbstjustiz legitim wird? Dass wir das noch miterleben dür…! »…ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland!«. Mit einem kleinen Büchlein winkt er in den Raum. Er hat den Rest der Menge geweckt, der bisher noch vor sich hin dämmerte. Lachen im Raum. Und auch ein bisschen Enttäuschung. Es geht doch wieder nur um Artikel 5 und darum, dass man ja trotz Meinungsfreiheit nichts sagen dürfe. Hier. Heute. In der Innenstadt. In einem repräsentativen kommunalen Veranstaltungssaal. »Viel wichtiger ist doch Artikel 146«, meint AfD-Brille und spielt auf die zwiebackstabile Existenzgrundlage aller reichsbürgerlichen und rechtsextremen Souveränitätsträumereien an. Denn wisse: Es in der Regierung gibt es nur Marionetten fremder Interessen. Sie wissen schon, von wem.

Die Marionettenspieler interessiert im Grunde nur eines: Wie das deutsche Volk klein gehalten werden kann. Dass speziell in Sachsen seit Beginn der bundesrepublkianischen Zeit stets eine konservative Regierung am Ruder saß, ist unerheblich. Auch diese steht in engem Kontakt zur Antifa, jener »SA Zweipunktnull«, die als linksradikale Bodentruppen sogar die Dreistigkeit besitzen, einen eigenen »Geschäftsbericht« zu verfassen. Gockel zeigt einen Internetausdruck herum. Im Antifa-Biotop Sachsen ist Ministerpräsident Tillich (»Orr, den habsch sowieso gefressne!«) derjenige, der diesen Bericht entgegen nimmt. Ordnung muss sein. Auch wenn Deutschland schlimmer als eine Bananenrepublik ist, da man, und nun wieder schnell zurück zu den sozialschmarotzenden Flüchtlingen, in diesen Bananenrepubliken Beamte wenigstens bestechen muss, um eine neue Identität zu erhalten, während man sie hier geschenkt bekommt, muss Ordnung herrschen, damit man die Missstände mit dem unterdurchschnittlichen Wissen eines Kleingartenvereinsmitglieds erfassen kann. Der Platz für Komplexität wird mit riesigen Vereinfachungsketten abgegrenzt: Asyl ist gleich Sozialbetrug ist gleich Islamismus ist gleich Millionen Moslems ist gleich Umvolkungsstrategie. Inzwischen versammelt sich das LEGIDA-Restvolk als Unterstützer-Demo vorm Gebäude. Alle zehn.


So finanziert laut Gockel der saudische König den Bau von 200 Moscheen in Deutschland. Warum? Weil Merkel »Wir schaffen das!« gesagt hat. Und wie? »Muslimbrüder sind mit Koffern voller Geld in Deutschland unterwegs, um im großen Stil Grundstücke zu erwerben!«. Der Grund ist einfach, allen bekannt, die hier sind, nur den anderen, also beispielsweise mir, nicht: Es geht um die großräumige Einführung der Scharia, der Wiederbelebung des Anti-Semitismus durch das Schüren von Anti-Israelischen Ressentiments und natürlich die Unterdrückung der Frau. »Haben wir Hundebesitzer im Raum?«, fragt Gockel. Verhaltene Bekenntnisse. Ob die Zuhörer jene Hunde kennen, die auf einen zustürmen, während in der Ferne der Besitzer mit der Leine winkt und ruft »Keine Angst! Der will nur spielen!«? Genauso ist es mit diesen Muslimen. Nur dass hier »Die wollen nur beten!« gerufen wird. Der Saal johlt. Endlich sagt es mal einer! Und wer Menschen anderer Religionen mit Tieren vergleicht, kann im Kern kein schlechter Mensch sein.

Dass die Anderen™ böse sind, wissen wir nun. Gut, das wussten eigentlich alle schon vorher, wussten es ja schon immer und haben es auch stets und jedem erzählt, gleich, ob er es wissen wollte. Nun braucht es aber noch ein Narrativ, dass die anwesenden Deutschen vom Verdacht befreit, es lebe eine kleingeistige Präventivaggression gegen alles Fremde aus. Gockel weiß, womit dies am besten funktioniert: Geld. Am besten in Summen, die nachvollziehbar groß sind, die aber Teile von Beträgen sind, von denen sich ein Einzelner, der womöglich im Kopf noch von Euro zu D-Mark zu Ost-Mark zu Reichsmark zu Goldtaler zu Muscheln umrechnet, keine wirkliche Vorstellungen mehr machen kann. Glücklicherweise gibt es ja die großen Aufdecker der AfD und obschon Gockel, wie er betont, kein Mitglied sei, ist er qua Profession dankbar über deren unermüdliche Recherche. So haben sie durch Kleine Anfragen im Parlament »herausgefunden«, wofür eine riesige Geldsumme im Bezug auf die allgemeine Flüchtlingsverwaltung und -betreuung ausgegeben wurde.

Wieder zückt er einen mehrseitigen Internetausdruck und beginnt den Raum mit Posten und Zahlen unter Feuer zu nehmen. Mittlerer fünfstelliger Betrag für diese und für jene Bürgerinitiative, gerne auch solche, deren Namen auf den ersten Blick nicht wie aus einem Rundschreiben der grauen Verwaltungsbürokratie stammen. »Alles von unsre Gebührn und Steuern!«, klingt es hinter mir, bitter lachend, als griffe in diesem Moment jemand in die individuelle Geldbörse. Speziell der Initiative »Buntes Meißen« wird beispielsweise vorgeworfen, dass sie Mittel erhalten habe, um einen »Internationalen Garten« aufzubauen und zu betreiben, der auch als Begegnungsstätte und Platz für gemeinsame Feste dienen soll. »Meine Damen und Herren: 47.100 Euro für Gärtnern und Tanzen für den Weltfrieden. Für solch einen Schabernack ist anscheinend immer genügend Geld da!«, referiert Gockel, insgeheim auf die ›arme deutsche Alleinerziehende‹ verweisend, die schon den Kitt aus dem Fenster fressen muss. Die Sozialneidkarte sticht. Deutsches Geld für Deutsche zuerst! Wir haben nichts gegen Ausländer – nur etwas für unser Geld!

»Logischerweise«

Gockel ist fertig. Lombard bedankt sich für »den Vortrag gegen Extremismus jeder Couleur«. In seinen bemühten Versuchen, eine Überleitung zu gestalten, mümmelt er nochmals einige gigantomanischen Zahlenspiele vor sich hin, wiederholt bereits Gesagtes, überspitzt. Damit niemand vergisst, dass das hier eine AfD-Veranstaltung ist, kommt nun auch die Partei ins Spiel. »Herr Wurlitzer, wie ohnmächtig ist die AfD im sächsischen Landtag?«. Ein worldtradecentergroßer Pappkamerad, den der Geschäftsführer gerne und lässig zerlegt. Natürlich sei man als Opposition nicht ohnmächtig, auch wenn man »logischerweise« keine direkte Macht besitzt. Aber man kann Zweifel unter den Etablierten säen, »logischerweise« immer nur mit inhaltlich korrekten Anfragen. Das Ziel ist, die Altparteien vor sich her zu treiben. Und hier kann man nicht anders, als ihm Recht zu geben, denn genau das tut eine Opposition im Allgemeinen und die AfD im Speziellen. Die AfD als spirtus rector de Maizieres, Oppermanns und Palmers? Ganz so abwegig klingt das nicht. Jede beinah noch so unsoziale und unmenschliche Forderung findet scheinbar irgendwann den Weg in Anträge von CDU, SPD und Grünen. Wurlitzer weiß das. »Die AfD gibt seit ihrem Eintritt in das Parlament eigentlich den Takt vor. Am Anfang werden unsere Anträge verlacht und geschlossen als unmöglich verworfen. Später kramt man sie hervor, verdoppelt die Zahlen und setzt es dann als ›ordentliche Politik‹ um«. Logischerweise.

Jetzt wird es einem der Zuschauer zu viel. Empört erhebt er sich und fragt, was das alles mit dem eigentlichen Thema des Abends zu tun habe. Es scheine, als sei das alles eine große Werbeveranstaltung, ohne sich im Ansatz kritisch dem Thema zu nähern. Der Weckruf kam zu richtigen Zeit, auch wenn er mehr oder weniger wirkungslos bleibt. Denn in der Tat wurde bisher über alles gesprochen, nur nicht wirklich reflektiert über Extremismus. Nachdem man »den Politikunfähigen« aus dem Saal entfernt hat, weil jetzt noch nicht die Fragerunde begonnen habe, fährt Wurlitzer fort und lobt seine Fraktion über den grünen Klee. Sicher, man sei noch eine junge Partei, man lerne noch, logischerweise, aber man gebe sich Mühe, wie die große Zahl von Eingaben belege. Dies wird nicht das letzte Mal bleiben, dass die Partei auf der einen Seite versucht, die Welt aus den Angeln zu heben, auf der anderen aber immer wieder eine Art politischen Welpenschutz für sich einfordert. Beinahe jeder Abgeordnete wird mindestens einmal namentlich erwähnt, immer eingebettet in eine Heldengeschichte von »Nachfragen und Rausfinden«. Man kann das Zittern aus Dresden beinahe körperlich spüren.


Nun übernimmt Petry. Der Saal ist gespannt… und merkt nach kurzer Zeit, dass die Große Vorsitzende alles andere als unterhaltsam ist. Ihre gefriergetrocknete Langeweile stößt die Leute ab. Immer wieder fasst sie unter den Tisch, um sich die Hände an den verkrampft ineinander verschlungenen Beinen zu reiben. Versuche, die Themen mit Emotionalität aufzuwerten, schlagen fehl. Der Körpersprache zu Folge wäre sie nun gerne ganz woanders. Auch wenn sie diese Spielart des unterhaltsamen Populismus nicht beherrscht, ist sie doch intelligent genug, um zu erkennen, dass das Publikum gerade das von ihr erwartet. Entertain us! Dem Einstieg über »Kinderehen gehen gar nicht« folgen rechtsformale Einlassungen über die Spielweisen des Personenstandsverwaltungsrecht. Eine auf dem Tisch liegende Liste mit Stichworten dient ihr als roter Faden. Immer wieder blickt sie herunter und springt von Thema zu Thema, pseudospontan, dröge. Es gibt kaum Zwischenrufe, keine spontane Affirmation. »Frauke war stets bemüht« würde es in einem Zeugnis heißen. Nach dem letzten Punkt ihrer Liste übernimmt wieder Wurlitzer und kumpelt in den Saal hinein. »Wir haben Wahlkampf. Keine Sorge, wir werden keine neue CDU«, bereitet das AfD-Podium seine Gefolgschaft auf den Machterhalt vor. Aber: »Wir müssen aber mehrheitsfähig werden«. Hier und jetzt, angekommen am toten Punkt der Aufsässigkeit, kann man regelrecht entsetzte Mienen im Publikum erkennen. War es das nun mit der Revolution? Müssen wir uns nun zurückhalten, obschon uns Kreide gar nicht schmeckt? Aber wieso dürfen Le Pen und Wilders, aber wir nicht?

Lombard tut sich schwer, einen roten Faden zu erkennen und setzt einen Schnitt an. Es braucht ein neues Feindbild. Am besten »Europa«. Eine Heldengeschichte ebenso. Er versucht sich in einer Betrachtung der gesamteuropäischen Strategie, wie sie seit dem großen Vernetzungstreff in Koblenz nahe liegt. Hat die AfD in Sachsen, hat Frauke Petry politisch europäische Vorbilder? Vielleicht die FPÖ? Der in Unterhaltsamkeit heute minderbegabten Petry schmeckt diese Frage überhaupt nicht. Dass der Moderator mächtig daneben gegriffen hat, lässt sie ihn spüren, indem sie seinen bemühten Versuch der großräumigen Lageskizze mit ein paar Sätzen schreddert. Ja, meint sie, es gäbe überall in Europa entsprechende Verschiebungen im politischen Spektrum, aber als direktes Vorbild würde sie diese Parteien nicht bezeichnen. Alle haben ihre eigenen Ansprüche, aber der Markenkern der AfD sei, dass sie die europäische Gegenbewegung zu den Achtundsechzigern ist. Warum das wichtig ist? »Alle setzen ihre Interessen durch, nur wir in Deutschland nicht«. Noch nicht einmal dafür kann sich der Saal nachhaltig erwärmen. Nur eine leises »grünlinksversifft« dringt durch die Sitzreihen, als die 68er angesprochen werden.

Die Moderation wird mit der Zeit nicht besser. In einem Anfall von Themenorientierung bringt Lombard das Stichwort »Extremismus der Mitte« an. Plötzlich knackt es im Gebälk. Darauf war Frauke Petry alles, aber nicht vorbereitet, ebenso Uwe Wurlitzer. Blicke huschen hin und her. »Stammeln oder Bullshit?« lautet nun die Frage. Nach einer Schrecksekunde fängt sich Petry als Erste und spielt an Gockel ab, auf dass er die Frage beantwortet und mal was tut für sein Geld. Lombard hängt jetzt vollkommen im luftleeren Raum, denn auch sein Journalistenkollege gerät ins Stocken, kurz nur, aber doch merklich. Das Podium steht kurz vorm Entgleisen. »Natürlich kann ich etwas dazu sagen«, nämlicht Gockel in die allgemeine Verunsicherung hinein. »Der Extremismus der Mitte steckt in feinem Zwirn!«. Dass er damit keinen Kleidungsstil meint, ist dem Publikum sofort klar. Es darf wieder rhetorische Bilder erwarten, die man ja wohl mal noch malen darf. Gockel erklärt: Nichts. Keine Herleitung, keine Skizze, keine Erläuterung, weder zu »Extremismus« noch zu »Mitte« oder »der«. Er ist schlicht damit überfordert und zieht sich auf funktionale Verdrießlichkeiten zurück. So käut er die besten Ressentiments der Achtziger, Neunziger und von heute herunter. Gabriel, der »Pack« gesagt hat; Steinmeier, der mal grimmig etwas über »Populisten« meinte; Gauck, der die PEGIDAnten als »Chaoten« bezeichnet hat. Das, und nichts anderes, meine Damen und Herren, sei der Extremismus der Mitte. Und jeder, der einmal etwas gegen die aufrechten Deutschen gesagt hat oder zu sagen gedenkt, kann sich, scheint es, dieses Extremismus-Etikett gleich mal ausschneiden und an die Stirn kleben. Endlich wird wieder gelacht. Im Publikum vor Bitterkeit. Auf dem Podium vor Erleichterung. Das war knapp.

»WAS? JA?! Ach, DER PUDDING IST FERTIG?!!?«

Eine Stunde ist vergangen. Mir kommt sie vor wie fünf. Die Dramaturgie des Abends ist klar: Gockel darf ab und an etwas zu seinem Buch sagen und in den unzähligen Brauntönen seine Sprachbilder pinseln. Wurlitzer ist »einer von uns«, der mit dem Humor eines unerschütterlichen Kinderferienlagerleiters das Bindeglied zwischen Straße und Parlament spielt. Petry die unnahbare, unkritisierbare, ungeliebte und doch unabkömmliche Eiskönigin, rein wie Sagrotan, kaltromantisch wie die Oortsche Wolke.

Doch zurück zur Arbeit im Landtag. Wichtig ist Wurlitzer zu betonen, dass das, was wir alle als Politik erleben, einzig Fassade ist. »War ja klar!«, geben Teile des Publikums zum Besten. Die AfD wird nur im Plenarsaal gedisst, versucht er durch ein Äquivalenzprinzip zu beweisen. »Sie müssen das mal erleben: Während der Sitzungen hauen die sich beinahe die Köpfe ein und fünf Minuten später sitzen sie in der Cafeteria und lachen miteinander!«. Mag sein, dass das bei den Politikern der Regierungskoalition der Fall ist. Eine Behauptung, dass beispielsweise ein Linker und ein AfDler bei Kaffee und Kuchen über Fußball plauschen, ist hier bestenfalls zu vermuten. Die AfD sitzt am Katzentisch und wäre doch gerne bei den Großen. Doch man will gebeten werden, so viel ist klar. Nur tut ihr keiner den Gefallen.

Nun ist auch der kleinsten Kerze im Saal das Licht des korrupten Politikbetriebs aufgegangen. Schließlich haben Differenzen lebenslang und unerbittlich zu bestehen. Einzig Feindschaft ist echt; nur wenn man hasst, lebt man. Pragmatismus ist bestimmt auch wieder sowas extremistisches von den 68ern. Man lacht sich ins Fäustchen, als Wurlitzer darüber berichtet, wie es seine Fraktion schafft, Diskussionen in den anderen Parteien anzuzetteln, die stets Symptom für »Zerstrittenheit« sind. »Es gibt Hoffnung!«, ruft er aus. »Wir haben Erfolge und die werden kontinuierlich mehr!«. Wenn euch das schon ausreicht, dann viel Erfolg, möchte man rufen, ebenso wie man es einem Kleinkind zurufen will, dass zum ersten Mal allein auf dem Töpfchen war. Aber ja, man muss Geduld haben. Die noch so junge Partei voller altem Hass bettelt darum.

»WAS? JA?! Ach, DER PUDDING IST FERTIG?!!?«. Laut ›telefonierend‹ erhebt sich eine junge Frau aus der Saalmitte. Die bisherige Konfusion nimmt wieder Fahrt auf. Emotionalität erzeugt sich im Publikum reflexhaft von selbst. Das Podium verdreht die Augen, der Saalschutz wird aktiv. Wieder ist der Aufmerksamkeitsfaden gerissen, der Fokus von den Parlamentshelden abgewandt. Steter Tropfen entnervt Volkes Seele, selbst wenn er aus Pudding besteht. Wurlitzer müsste nun das Erregungsniveau oben halten, scheitert aber genau daran. Das Politikangebot für Komplexitätsvereinfacher kann nur noch mit Zahlen aufwarten. Als parlamentarischer Fleißnachweis wird die Zahl von Änderungsanträgen ins Feld geführt, welche die AfD zum Doppelhaushalt eingebracht hat. Für jeden der über 200 Punkte müssen laut Statuten 3 Minuten Redezeit bereitgestellt werden. Die etablierten, d.h. faulen Weichei-Politiker zittern schon jetzt. Man sieht förmlich das Wurlitzersche Skrotum anschwellen, als er seinen imaginären Wortwechsel darüber vorträgt, wie er androht, das Plenum lahmzulegen und Sitzungen bis weit nach Mitternacht in Aussicht stellt. »Wir haben durchaus schon bis halb zwei nachts gesessen. Da habe ich gesagt ›Bringt euch am besten eine LuMa (Luftmatratze) mit. Wenn ihr uns in den Ausschüssen nicht mit einbezieht, dann machen wir das eben so!‹«. Der geneigte Leser mag nun »Doppelhaushalt? Änderungsantrag? War da nicht mal was?« murmeln – Zu Recht. Hier ein Video, wie… sagen wir mal: beflissen die AfD arbeitet.

Selbst bei Themen auf Bundesebene hat die AfD die Finger im Spiel. Also indirekt. Irgendwie. Man habe ja mal anno Pfefferkuchen etwas zum Landes-Sehhilfen-Gesetz eingebracht. Und pardauz! letzte Woche wird im Bund ein Gesetz zum Thema Brille verabschiedet. Abgekupfert, eiskalt! Kann man sich vorstellen, was das für die wirklich brennenden Themen der Zeit bedeutet? Also Bildung, Russland-Sanktionen, Rundfunkbeitrag? Die Wichtigkeit ist vorhanden, das belegen Studien. Eine besagt sogar, dass die Regierung mit unseren Geldern der größte Fake-News-Verbreiter ist! Hättense jetzt nicht gedacht, oder? Quelle der Studie? Also, die ist jetzt nicht wirklich offiziell, die Studie. Und auch die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Und sie stammt aus der rechten Zeitung »Junge Freiheit«. Aber die sprechen ja nur aus, was sowieso alle schon wissen, nicht wahr? JA! WOLL!!

Endlich beginnt die Fragerunde. Nutzloseste Ansage des Abends: »Bitte stellen Sie nur Fragen. Für andere Ausführungen können wir uns im Nachgang noch Zeit nehmen«. Die erste Wortmeldung kommt von einem lokalen AfD-Mitglied, das sich um die Außenwirkung der Partei sorgt, da in der Führungsebene gerade jede Menge Unruhe um sich greift. Jedem im Saal wird klar, das damit nur einer gemeint sein kann: Björn Höcke, Oberstudienrat, Rechtsausleger, moralisches Leichtgewicht, politischer Dünnbrettbohrer, Goebbels-Duktusrant. Faszinierend stelle ich fest, dass Petrys ärgster Konkurrent nie namentlich benannt wird. Der »thüringische Landenschef« wird zum bösen Lord Voldemort der AfD, zu jenem »desssen Name nicht genannt werden soll«. Sein brauner Schatten schwebt über allem und lastet schwer auf Petry, denn er schart immer mehr Verbündete um sich. Petry schmeckt diese Frage überhaupt nicht, dabei ist sie von einem ihrer Fans gestellt worden. Reflexhaft antwortet sie auf die nach langen Ausführungen gestellte Frage, wie das alles mal »geregelt« werden kann, mit ihrem ausgeblichenem Joker Welpenschutz. Der Vorstand muss sich aus einem parteiprogrammatischen »Bauchladen« bedienen und eine politische Vision daraus entwickeln. Dabei ist es aber kontraproduktiv, wenn eine kleine Gruppe innerhalb der Partei ihr eigenes Süppchen kocht und den Rest wiederholt in öffentliche Geiselhaft nimmt. (Kurze Rückblende: Für Wurlitzer ist es kein Problem, selbiges mit dem Parlament zu veranstalten. Auf Luftmatratzen.) Der Vorstand entscheidet. Der Rest muss dem folgen. Höcke wird bezüglich seiner Aussagen als Wiederholungstäter bezeichnet. Es kann nicht angehen, meint Petry, dass Höcke eine erinnerungskulturelle Kehrtwende um 180 Grad fordert. Zudem, so Petry, ist dies wenigstens rhetorisch mies, denn im Programm der AfD lassen sich dafür deutlich andere, bessere Formulierungen finden!

Redebeitrag Nummer Zwei bezeichnet die gesamte Veranstaltung als »Schmierentheater«. Ihm ist deutlich anzumerken, dass er kein AfD-Sympathisant ist. Dennoch weist er scharf darauf hin, dass die vorgebliche Themensetzung »Extremismus« sehr einsitig behandelt worden ist. Die um uns Sitzenden wissen gleich: »So ein Arschloch!«. Der junge Mann fährt unbeirrt fort: »Wir reden hier den ganzen Abend über Links. Aber was ist mit Rechtem Extremismus? Was tut die AfD gegen die wirklichen Nazis, gegen Götz Kubitschek, gegen die Identitäre Bewegung?«. Auch hat er offenkundig als einer der Wenigen im Saal bemerkt, dass Petry sich nicht wirklich von Lord Voldehöcks Aussagen distanziert hat, sondern nur die Wortwahl bemängelte, er somit im Kern nichts Falsches sagt, nur die falschen Wörter benutzt, damit aber die bevorstehenden Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und NRW negativ beeinflusst. So erregt der Saal, so kurz Petrys Einlassung: Es muss Programme gegen jede Form des Extremismus geben. Man kann förmlich das Hufeisen der dazugehörigen Theorie vom Bein des lahmen Gauls fallen hören, der längst schon auf den Gnadenhof des Relativierens gehört.

Der nächste Beiträger aus dem Publikum bezeichnet sich selbst als »AfD-Sympathisant« und gibt in bester Kommentarspalten-Manier ein Statement ab, in dem er Grüße von der Dresdner CDUlerin und ehemaligen Bürgerrechtlerin Angelika Barbe ausrichtet. Er sieht die AfD auf dem richtigen Weg und kontert die Zwischenrufe »Frage. Frage!« damit, dass er keine habe, nur mal was sagen will und überhaupt hat er Infomaterial dabei, so kopierte Statements, (»Frage. Frage!«) die er sammelt und verteilt, und die man sich dann bei ihm abholen könne. (»Frage. Frage!«) Keine weiteren Fragen. Danke fürs Zuhören.

Es folgt ein Herr im Rentenalter, der ebenfalls »nur« Sympathisant ist. Für einen Moment seiner Rede befindet sich der Saal in einer Schrödingerschen Unwissenheitssituation: Kommt in all dem Schwall von Gejammer noch eine Frage? Oder wieder nur etwas, das mal gesagt werden muss? Jede Silbe seiner Einlassung durch auf und ab Schwingen, Hüpfen, Wippen betonend, erzählt er von den Dingen, die er in den Tageszeitungen liest. Flüchtlinge. Überall Flüchtlinge! Aus dem Ausland! Gegen die er natürlich nichts habe, aber er will, dass von der Million, die hier sind, 999.000 wieder gehen sollen! (»Frage. Frage!«) Schließlich hat es ein imaginiertes »Wir« zu sein, das einzig das Recht hat, auszusuchen, wer hier bleiben darf (»Frage. Frage!«) und wen »wir« gebrauchen können, wissen »wir« immer noch am allerbesten! (»Frage. Frage!«) Außerdem wünscht er Petry 55% der Stimmen bei der kommenden Wahl. Und nun die Frage: (»Na endlich!«) Wie wollen sie, die Partei, damit umgehen?

Moscheeneubau in Leipzig? Böse, weil von Quatar finanziert (Koffer voll Geld!) und mit DITIB-Extremisten ausgestattet.

Petry gibt sich versöhnlich, denn die in bester Eurythmie vorgetragene Performance hat auch sie schmunzeln lassen. Die Autoren des Grundgesetzes haben es bestimmt gut gemeint, begnadigt sie, aber damals hatte man bei der Formulierung des Asyl-Artikels nur vereinzelte Personen oder kleinere Gruppen im Blick. Heute sei das anders. Vollkommen. Zusammengefasst: Nachkriegsdeutsche Flüchtlinge = gut. Heutige Flüchtlinge = schlecht. Politisches Asyl wird, wie zuvor bei Gockel, mit illegaler Migration gleich gesetzt und nicht nur juristisch, sondern auch moralisch bewertet. Schließlich gebe es die »Sichere Drittstaaten-Regelung« und wer sich das genau ansieht, wird feststellen, dass in Deutschland praktisch niemand Asyl beantragen kann, da wir von Sicherheit nur so umzingelt sind. Ich ertappe mich, wie ich nicke, aber nicht, weil ich ihrem Sarkasmus zustimme. Diese süffisante Grußbotschaft war für jene gedacht, die sich diese zynische Regelung haben einfallen lassen. Darüber fallen die Einlassungen des Podiums über »Remigrationsprogramme« und einen schleichenden Bevölkerungsaustausch von fremder Hand nur wie schmückendes Beiwerk aus, dass das Publikum bei Laune halten soll.

Als nächstes folgt die klassische Claquer-Frage: Ermitteln die Behörden wenigstens automatisch auf Grundlage des »Antifa-Geschäftsberichtes«? Nun darf Gockel wieder ran und erklären, dass hier wenig Hoffnung besteht, denn die linksunten-Internetseite, das »Portal der Deutschland-Hasser« würde wohl irgendwo im Ausland gehostet. Schließlich wüssten auch alle, dass Maas andere Prioritäten habe. Nicken im Saal. Petry schließt sich dem Maas-Bashing an und vereinnahmt die Ermittlungsbehörden. Man habe auch mit »verschiedenen Einestellungen« seitens der Polizei zu tun. Während die Polizisten auf der Straße mehrheitlich der AfD zugeneigt seien – heimlich, natürlich – stünden ihre Vorgesetzten anderen Parteien und Denkmustern nahe. Zudem findet der Kampf zwischen Antifa und Polizei nicht unter dem Paradigma der Chancengleichheit statt. Erinnert sei an das Debakel mit dem einheitlichen, letztlich aber dysfunktionalen Sprechfunksystem. Die Antifa sei der Polizei in allen Belangen haushoch überlegen. Hinzu kommt die latente Verängstigung der Polizei, dienstrechtlich belangt zu werden, wenn sie etwas Falsches tut. Spätestens seit der »Kölner Silvesternacht« getraue sich kaum noch ein Beamter etwas gegen Bösewichte zu unternehmen.

Artig stellt sich der nächste Frager vor und kommt glücklicherweise schnell zum Punkt, denn mittlerweile wächst mir schon ein Vollbart. Woher nimmt der deutsche Staat eigentlich plötzlich das viele Geld für die Flüchtlinge? Gute Frage, vor allem bei einer Veranstaltung zum Thema Extremism… ach komm, egal. Es geht um Geld, viel Geld, und da ist die AfD natürlich kompetent. Sachsen beispielsweise, so Petry, hat einen »Super-Finanzminister« (Unland, CDU. Ja, der heißt wirklich so.), der nie den Beutel aufmachen würde. Dass dennoch aus den »gigantischen Steuereinnahmen« Deutschlands 800 Millionen Euro für Flüchtlinge finden lassen, ist ganz einfach: Die Europäische Zentralbank druckt einfach Geld nach! Empörung. Wenn das jeder machen würde!

Die Themen reißen nicht ab, immer geht es um Sicherheit und/oder Islam. Ausbau von Polizei und also Sicherheit? Muss langsam angeschoben werden, schließlich kann man keine Polizisten im Supermarkt kaufen. Schlimm aber, dass »die Politiker« ihre hoheitlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen (»Offene Grenzen zu Polen und der Tscheschei!«), den Staat quasi von innen heraus selbst entmachten und alles auf die Schultern der »einfachen Leute« legen, die sich nun selbst mit sicherererereren Fenstern, Türen und Überwachungskameras ausrüsten sollen. Moscheeneubau in Leipzig? Böse, weil von Quatar finanziert (Koffer voll Geld!) und mit DITIB-Extremisten ausgestattet. Ausreisepflicht für Abgelehnte Asylbewerber – kann man da nicht was machen, beispielsweise finanzielle Mittel komplett streichen? Petry referiert über die mühselige Rücknahme und das Publikum erwacht erst wieder, als sie vorschlägt, dass man den Ländern, die sich weigern, »ihre Leute zurück zu nehmen« einfach kurzerhand die Entwicklungshilfe streicht.

Endlich sind wir in der Abschlussrunde. Mein Kopf fühlt sich schwer an. Die Menge an Selbstgerechtigkeit und Selbstmitleid im Raum verdunkelt alles Fühlen und Denken. Gockel ruft dazu auf, den Medien zu misstrauen. »Bleiben Sie wachsam gegen den Presse-Unsinn!« ruft der Journalist. Läuft. Wurlitzer relativiert die Wünsche nach 55% Stimmanteil und würde sich, bescheiden und als Mitglied einer noch jungen Partei, 20% wünschen. Auch Petry dämpft die Erwartungen. Man wolle langsam wachsen und für diesen Kurs fordert sie bedingungsloses Vertrauen in die Führung der Partei. Nicht Vorstand. Führung. Die steht unter ständigem Beschuss von LVZ, Sächsicher Zeitung und Compact. Für einen Moment klappt mir der Kiefer. Hat sie sich gerade offiziell gegen Jürgen Elsässer ausgesprochen? Der schmallippige Breitbart für Teutonen? Die journalistische Planierraupe im Dienste der Volksbeschädigung? In der Tat. »Misstrauen Sie uns, der Führung, nicht!« – und schon gar nicht, wenn es gegen mich geht, eure Frauke, die es nur gut meint! will man ergänzen. Der Abend ist vorbei.

Fast. Eine Reihe ist zu bilden! Jeder bekommt sein Foto mit Frauke! Jeder bekommt sein Buch von Gockel! Während die Stadtratsfraktion der AfD relativ schnell verschwindet, sehe ich noch ein bekanntes Gesicht , das offensichtlich im AfD-Kontext viel auf Reisen ist.

Fazit

Der Abend war anstrengend. Erschöpft gehe ich heim. Was hat er gebracht?

Die Basis der AfD ist nicht durch singuläre Aktionen zu erschüttern. Die Aktion an diesem Abend waren aber sehr fesch, denn sie waren unaufwändig, haben den Saal relativ schnell auf Hetztemperatur gebracht und das Gejammer vom »antidemokratischen Diskurs« aussehen lassen, als ob man mit Kanonen auf Spatzen schießt. Die Partei glaubt fest an den Erfolg ihrer Protagonisten und keine Erregungswelle der Gegenseite vermag dies wegzuspülen. Jedoch kann, um im Bild zu bleiben, ein ruhiger, kraftvoller Strom die Fundamente freilegen, die die Partei so sorgsam zu verdecken sucht. Dass ihr an einer Spaltung der Republik gelegen ist, um auf deren Trümmern die eigene Kleingeistigkeit zur Doktrin zu erheben, ist offensichtlich. Jedoch braucht sie hierfür noch immer das Narrativ der Aufrichtigkeit. Niemand der heute Anwesenden würde sich als Rassisten bezeichnen, weil die Partei dies alles vorab aus dem Diskurs herausfiltert und relativiert.

Da wundert es wenig, dass Petry so mit Höcke hadert. Dieser denkt gar nicht daran, sich vom Parteivorstand maßregeln zu lassen. Zusammen mit seinen Genossen der »Patriotischen Plattform« schert er sich einen feuchten Kehricht um strategisches Verhalten. Er scharrt wie ein Stier vorm schwarz-weiß-roten Tuch und ist nur schwer zu bändigen. Jedes björneske Aufbäumen zieht massive Schäden im Streichholzgatter der Gutbürgerlichkeit nach sich. Die Partei wird über sich selbst stolpern, wenn die Ultra-Gestrigen übernehmen und die kognitive Dissonanz der heute noch randständigen Partei-Sympathisanten unerträglich wird. Spätestens wenn sie alles sagen dürfen, werden sie begreifen, dass »die Ausländer« und das ganze »Geschmeiß« schwere Probleme mit Deutschland bekommen und beispielsweise ihre Gelder woanders investieren.

Weiterhin suchen Petry und die Ihren ihrer radikalnationalistischen Idee die Verkleidung einer Notwehrsituation zu geben. Hierfür brauchen sie aber gebildete und prominente Köpfe, wie beispielsweise einen Hans-Hermann Gockel. Wer mal im Fernsehen war, dem trauen die Leute, so das Kalkül, der kann nimmer ein böser Rechter sein. Petrys Dilemma dürfte jedoch darin bestehen, dass diese Intellektuellen keinen echten Grund haben, ihr zu folgen. Wenn sie es tun, dann nur mit der Aussicht auf einen möglichst zeitnahen, möglichst lukrativen Gewinn. Den kann sie aber nicht bieten. Schon gar nicht in einer Atmosphäre des gegenseitigen innerparteilichen Misstrauens. Treue Gestalten wie Teddy Wurlitzer sind selten – dummerweise ist mit denen aber kein Staat zu machen, nur ein Saal mit 200 Leuten zu bespaßen.

Ihr größtes Problem dürfte aber ihre Achillesfruchtblase sein. Insider munkeln, dass sie in großer Sorge ist, was die alten Herren ihrer Partei anstellen könnten, wenn sie in der Hochphase des Wahlkampfes entbindet. Für eine stets kontrollierende, vorausberechnende Person dürfte dieser Zustand nur schwer erträglich sein. Die »Königinnenmörder« stehen bereit und sie weiß das. Spätestens auf Grund der im Herbst versprochenen, aber noch nicht erfolgten Distanzierung der Grauen Eminenzen von Höcke dürfte sich für sie dieser Verdacht bestätigen: Sie soll zukünftig keine Rolle mehr spielen und luckiert werden.

Wie kann man also eine AfD erschüttern? Nicht indem man sie »Nazi« nennt oder ihre Ideen durch die kalte Küche auf die eigene Agenda setzt. Das wäre zu kurz gedacht. Die politische Begabung und Strahlkraft dieser Partei ist so komplex wie »Malen nach Zahlen«, ihre Versprechen so leer wie die Unterschriftenliste nach Ende der Veranstaltung. Die Leute wollen etwas Gefühliges, und die AfD bietet ihnen ihren eigenen Hass an, geradeso appetitlich wie eine Portion der eigenen Exkremente. Das macht zwar voll, aber nicht satt und wenn man sich das Geschrei des Großteils der Wähler ansieht, ist das nichts anderes als die Abfolge von Ohrfeigengeräuschen für die Politik der letzten 15 Jahre, die visionslos bevormundet; die Intellektuellen, die alles besser wussten, aber keine Ahnung hatten, wie man es in eine »Zukunft für Alle« überführen soll; für all jene, die das Glück hatten, durch die Wirren der Zeit zu stolpern ohne wirklich hart aufschlagen zu müssen und dies nun als eigene Leistung darstellen. Oder kurz: Ohrfeigen für mich. Für mich. Und für mich.

Nein, das ist kein »Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft« – Vielleicht ist es ein Ansatz, den jeder von uns leben kann. An welchem Punkt höre ich auf, die anderen Ernst zu nehmen und mache ich das auch immer und mit allem Nachdruck klar? Dies ist ein schmerzhafter, beinahe unerträglicher Prozess. Aber ich denke, dass es nur so langfristig funktionieren kann.

Ich sehe nur eine Möglichkeit: Ihre eigenen Waffen. Sie wollen teilen und spalten? Sie wollen Zwietracht säen? Sie wollen bewährte politischer Muster so lange perverunterminierentieren, bis sie in sich zusammenbrechen? Können sie haben! Doch nicht mit offener Attacke, die vor Ort verpufft, dauerhaft aber dem eigenen Underdog-Selbstverständnis nutzbar gemacht werden kann. Man muss sie in aller Ruhe aus der Ruhe bringen, so lange, bis sie im Zustand größter Erregung die Maske von selbst fallen lässt. Jede Aktion, die beiträgt, dass sie sich als moralischer Sieger fühlt, ist nutzlos. Stellt euch eines vor: Es sind Menschen extra nach Leipzig gereist und sehen dort so eine nichtssagende, neuigkeitenbefreite Veranstaltung auf der kein Puls geschlagen hätte, wenn nicht ein paar Gegner einige Aktionen gestartet hätten. Welchen AfDler hätte das inspirieren sollen, vor allem, wenn wir gerade erst mit dem Wahlkampf beginnen? Ich möchte wetten: Die haben trotz allem nur zwei Stunden gelabert, gesessen und gelangweilt und nicht eine neue Stimme hinzugewonnen. Gockel mag weniger als ein Dutzend Bücher verkauft und signiert haben, das war es aber auch schon.


Wir werfen ihnen Pauschalisierungen vor und pauschalisieren dabei selbst? Fehler! Wir prangern an, dass sie den demokratischen Diskurs missachten und Pluralität zerstören, tun das aber mit Böllern im Hörsaal? Ein größeres Geschenk kann man denen gar nicht machen. Auf Twitter und Facebook jeden Furz eines AfDlers hochkochen, sich erregen, den Kopf verlieren? Einen besseren Indikator als die Schwemmhöhe für Shitstorms kann man dieser Partei gar nicht liefern. Wir hören etwas, das uns nicht gefällt und skandalisieren oder hören nicht mehr hin? Nichts anderes tut die AfD! Die Rechten buddeln sorgsam an unseren Fundamenten, in dem sie uns in einer ständigen Erregung halten und mit Misstrauen gegenüber jedem Abfüllen, der irgendwie anders zu ticken scheint. Die wissen wie das geht, sie haben es nämlich erfunden und Prinzipien des guten Geschmacks oder der Moral stören sie dabei wenig.

Wir alle sollten Petry, Höcke und Co reflektieren damit die AfD-Anhänger in die Situation geraten, das Versprochene mit dem Geleisteten zu vergleichen und zwar unterhalb der Schicht aus »Keiner spielt mit uns!« und »Wir sind ja noch eine junge Partei«. Kritik von außen mit »Die Mainstream-Medien hassen uns« zu begegnen, mag am Anfang verfangen. In einem Wahljahr jedoch ist dies nur das Eingeständnis der Unfähigkeit, seine Position adäquat zu kommunizieren.

Die AfD-Wähler wollen nämlich im Grunde dasselbe wie alle anderen: Die Gewählten sollen eine Job erledigen, möglichst fehlerfrei und im Ernstfall auch die Verantwortung übernehmen. Jeder Nachweis, dass sie das schon heute nicht machen, wird ihre Zuversicht bröckeln lassen. Und was ist dieses Erbitten von Welpenschutz denn anderes als das Eingeständnis von Ahnungslosigkeit und das Erbetteln von Verständnis für Aktionen voller Unfähigkeit?

Also: Bleibt wach, mutig und behaltet die Nerven. Spiegelt die Faschisten, wo immer ihr sie trefft!

Schubél