Morgen war Vergangenheit

Sonntagabend: Der Stapel wächst. »Wir sind das Volk! WIR, nicht DIE! AfD! Über alles!«. Ein Zettel nach dem anderen brüllt uns an. Sooft wir auch umsortieren und Ziffern in das Protokoll eintragen: Alle Zählungen und Rechnungen stimmen überein.

Kein Zweifel. Das kleine Neubaugebiet im Osten der Stadt, am Rande der Galaxis, hat sich entschieden. Die meisten wollen, dass es so bleibt, wie es ist. Fast genau so viele wollen die Welt brennen sehen. Die der anderen natürlich.

Zeitsprung zurück. Es ist Mittwoch. Wolken. Ein Parkplatz in der Innenstadt. Polizeiabsperrungen, Polizeiautos, Polizeistimmung. LEGIDA. Ich. Beide sind wir wieder zurück. Die einen, weil sie es wollen. Ich? Weil ich es will? Oder nicht anders kann? Oder muss? Alte Menschen. Altes Denken. Ewig junge Bitternis. Jemand hat Tafeln mit Sprüchen gebastelt. Beidseitig. In Reih und Glied werden sie an die Fassade gelehnt. Ein Galerie des Zynismus, auf Kanthölzer laminierte Bonmots des Unverstandes. Nur spärlich wird aus den Gruppen eine Menge. Früher hatte man eine Bühne. Heute klappt ein weißer Transporter sein Heck auf. Jemand versucht einen Punkt zu finden, um daran eine Deutschlandfahne zu befestigen. Scheitert. Als wehrte sich die Flagge. Oder der Wagen. Wer weiß das schon.


Zeitsprung vor: Es ist Sonntag. Wolken. Eine Grundschule im Leipziger Osten. Ruppige Begrüßung, die in unserem Kulturkreis nur Schulhausmeistern als herzlich angerechnet wird. Zwei Wahlbezirke. Eine Befürchtung. Aber wir wollen unseren Job so gut wie möglich machen. Keine Eskalation heraufbeschwören, weder jetzt, noch bei der Auszählung, noch bei den Ergebnissen. Es ist unsere Stadt. Was soll passieren? Oder nicht? Sprechen uns Mut zu. Eine ältere Beisitzern, von hier kommend, kennt ihre Nachbarn. »Hier wählen alle eher links«, meint sie, »das ist ein Viertel voller alter SEDler«. Klingt für uns plausibel, auch weil wir nicht wissen wollen, was die Alternat… oder etwa doch gerade deshalb?

Leipziger Innenstadt. Ein Parkplatz. Es ist Feierabend. Die Ost-West-Trasse brummt. Irgendwo jault ein Keilriemen. Der Ring vor uns ist gesperrt. Ruhe. Twitter meldet erste Bewegungen der Gegendemonstranten. Durch die kleine Lücke im Hamburger Gitter treffen weitere LEGIDA-Teilnehmer ein. Bekannte Gesichter. Sehe Leute aus dem Hooligan-Umfeld. Beinharte Nazis. Vorsitzende. Menschenbedroher. Herausforderungen des Humanismus. Man winkt sich freundschaftlich, man ist unter sich, man wird ja wohl noch grüßen dürfen. Eine ehemalige Bürgerrechtlerin, ein Parteimitglied der Rechten, allerlei Fußvolk. Alte Männer schwadronieren über die Bullshit-Phrase des Wahlkampfes schlechthin: »Digitalisierung«. Dem einen geht es zu schnell. Dem anderen ist es egal. Zahlen zur Weltpolitik werden aufgefahren. Tausende kumulieren zu Hunderttausenden zu Millionen, Milliarden, Billionen – Flüchtlinge, Verbrechen, Geldbeträge, Truppen. Gehirne würfeln Beträge zusammen und kommen doch nur zu einem Schluss: Alle doof außer wir. Aber uns fragt ja niemand.


Schlag Acht öffnen wir die Türen. Die ersten Menschen stehen schon vor der Tür, um auf dem Weg zur Sonntags-Schicht ihre Stimme abzugeben. Kurz danach treffen die ersten Silberhaare ein. Wie ein nicht enden wollender Strom fließen sie in die Kabinen. So gut ich kann, leite ich sie an die freien Plätze. Weil in diesem Jahr die Wahlbezirke die Räumlichkeiten getauscht haben, stellt sich in den ersten Stunden die Hälfte falsch bei uns an. Wir schicken sie alle ins Nachbarzimmer. »Ich habe doch aber immer schon hier gewählt!«, wenden sie ein. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Einige bedanken, andere beschweren sich unwirsch. Selten habe ich so viele Rollstühle, Gehhilfen, Rollatoren und Blindenstöcke erlebt. Ein Sechzigjähriger betritt den Raum und senkt den Altersschnitt gefühlt um mehrere Jahrzehnte. Würden die hier tatsächlich AfD wählen, also die Marke wechseln, wo sie doch schon ein anderes Wahllokal ins Schleudern bringt?


Die Menge setzt sich in Bewegung. Ausschwenken. Sammeln. Man will massiv erscheinen, schließlich marschiert hier der Volkswille. Ich unterhalte mich mit einer entfernten Bekannten. Habe sie schon öfter bei LEGIDA gesehen. Sie erzählt mir, dass sie selbst eine Demo plant, gegen den Pflegenotstand. Ihr Traum ist es, zur Hauptverkehrszeit eine Kreuzung in der Innenstadt zu blockieren, damit jeder sieht, dass die Räder tatsächlich still stehen, wenn es starke Arme wollen. Sie habe auch schon einmal eine Veranstaltung gemacht, wenig besucht, aber immerhin. »Und der Thomas hat mir dabei geholfen«, schließt sie ihre Begründung, weshalb sie heute hier ist. Der Thomas ist der LEGIDA-Organisator. Befürchtungen, dass der Ruf LEGIDAs ihr Anliegen womöglich einen Impuls verleiht, den sie nicht haben will, verfangen wenig. »Als ich dass das letzte Mal gemacht hab, waren sogar Leute von der AntiFa hinterher bei mir und haben gesagt, dass das ok war. Und der Thomas, der kennt sich aus. Mit den Ämtern, der Polizei und so weiter. Und der hat mir sogar meine Internetseite gemacht!«. Stolz zeigt sie mir ihre Facebook-Präsenz. In mir drängt es, einen Fluch heraus brechen zu lassen, so laut, dass er schneller als Licht um die Welt flöge. Und dann sagt sie diesen Satz, der mich den ganzen Abend, die ganze Woche, bis jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, grübeln lässt. »Er war da, als ich Hilfe brauchte und er hat mir zugehört«.


Hat mir zugehört. Hat mir zugehört. Hat mir zugehört. Hat mir hier irgend jemand zugehört? Ich habe gesagt, sie sollen hier bitte warten, die Kabinen sind alle noch belegt! Der einfache Prozess des Ausfüllens eines Stimmzettels, des Abgebens und wieder raus Gehens – wie schwer kann das sein? Nein, sie dürfen nicht in die Kabine ihrer Frau mit hinein, Wahlgeheimnis, klar? Nein, sie dürfen sich nicht mit dem Stimmzettel in der Hand selbst fotografieren. Auch die Tochter darf das nicht! Ja, die Schlange ist lang, und dass sie sich beschweren, sie, der seine Wahlbenachrichtigung verloren, vergessen, weggeworfen hat, schon gar nicht! Weil wir sie im Verzeichnis suchen müsssen, dauert das hier für alle länger!… hätte ich gern in den Raum gerufen. Doch mit dem stoischen Lächeln eines Concierge dirigiere ich alle durch den Raum. Die Frau, die kaum noch sieht. Den Mann, der die ungeöffnete Wahlbenachrichtigung seiner Frau abgibt, die letzte Woche gestorben ist. Der Frau, die noch nie gewählt hat und keine Ahnung hat, was sie nun tun soll. Dem Mann, der mir seinen Reisepass unter die Nase hält, darüber dozierend, dass es eine obligatorische Ausweispflicht bei der Wahl gibt und das im Gesetz stünde und er sich meinen Namen aufschreibt, weil ich die Wahl manipuliere. Das Paar, das mir von einem Stimmenverkaufs-Skandal in Stendal erzählt. Tausend Geigen schwellen an, spielen durcheinander, eskalieren und mit einem Schlag: Ruhe. Ich begreife. Die Welt ist so. Ich bin anders. Manchmal ist es auch umgekehrt. Es ist Mittag. Kurz vor Schichtwechsel.


»Wer hat uns verraten? SOZIALDEMOKRATEN! Wer schaut dabei zu? DIE CDU!!«. LEGIDA wird warm. Gerüchte über Blockaden der Gegendemonstranten machen die Runde. »RÄUMEN! RÄUMEN! RÄUMEN!« reflext es über die Straße. Alle sind wieder ganz bei sich. Die alten Muster brechen auf wie Melodien, die wie von Geisterhand zwei Takte in die Welt schicken, auf dass die Operette aus Hass und Niedertracht aufs Neue gesungen wird. »LÜGENPRESSE AUF DIE FRESSE!« angesichts der Fotografen, »DRECKSPACK! WASCHT EUCH! GEHT ARBEITEN!« angesichts der ersten Gegendemonstranten. Hier gibt es nicht Neues zu erzählen. Es ist die alte Mischung aus Missgunst und Kleingeist, aus Dummheit und Überlegenheitsgefühl, aus Selbstverzwergung und Selbstüberhöhung. Die Ratio liegt weinend in der Ecke. Der Instinkt übernimmt. Unter der fadenscheinigen Decke der Zivilisiertheit kann man seine Narben sehen, notdürftig mit Versprechen auf bessere Zeiten überklebt.


Aus der Küche duftet es. Meine Frau hat gekocht und gebacken. Müde schiebe ich mir ein paar Bissen in den Mund. Traumloser Mittagsschlaf. Aufgewacht. Die Septemberdämmerung droht alles Grau in Grau aufzulösen. Ich wandere zum Wahllokal zurück. Gartensparten schlummern sich langsam Richtung Herbst. Ein Schild: »Unkraut abzugeben, wegen der großen Nachfrage nur an Selbstpflücker!«. Kichere. Jemand hat eine alte Matraze ins Gebüsch entsorgt. Entsorgt. Kleine Funken, Wörter, Phrasen, Blicke lösen Assoziationsketten aus. Schlechte Menschen tun schlechte Dinge und gute Menschen fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Treppenwitz der Geschichte. Wer schreit, hat Unrecht, trägt dieses aber lange durch die Welt. An der Kirchenwand kündet ein Transparent vom Auftritt eines Jugendchors. Beschissenes Timing, denke ich so bei mir. Dann wird mir klar, was ich hier mache. An einem Sonntag. Im Regen. Im Osten. Am Rande der Galaxis in einer Grunschule. Die letzten Wähler kommen an. Die Luft ist verbraucht. Die Gesichter müde. Achtzehn Uhr. Ende der Wahlhandlung.


Vorm Rathaus der erste Stopp. Es werden Reden gehalten. Ein wilder Mix aus »Der hat damals A gesagt! Pfui!« und »Der hat damals A gesagt! Jawoll! Endlich! LEGIDA wirkt!«. Irgendwo rotieren die Erfinder der Argumentationslogik in ihren Gräbern. Die Rede will nicht enden. Die Rede kann nicht enden. LEGIDA versucht zu überdecken, dass ihre Demo-Route blockiert ist. Sitzblockade. Nichts geht mehr, wenigstens nicht hier entlang. »Schrei- und Spuckkinder« wird LEGIDA sie mit der Einfallslosigkeit des Machtlosen nennen. Tags darauf wird die örtliche CDU fragen, ob so etwa friedlicher Protest aussähe plus irgend welchem Unsinn mit der Verhinderung des wohlverdienten Feierabends. Denn wie jeder weiß, lassen sich die Feinde der Demokratie, des Pluralismus und der Moral nur dadurch aufhalten, dass man in geordneter Weise Feierabend machen kann. Genauso wie Arminius beim Feierabend im Teutoburger Wald die Römer besiegte. Oder der Zweite Weltkrieg nur beendet wurde, weil die Deutschen ordentlich ausgestempelt hatten und nach Hause zu ihren Volksempfängern gingen. Schweigend.


Es gibt Stress. Irgendwer verzählt sich immer. Wir haben zwei Stimmzettel zu viel. Oder zwei Häkchen im Verzeichnis zu wenig. Ich weise Zählvorgänge an, protokolliere, rechne zusammen, verrechne mich, kann nach langem Schwitzen die Differenzen erklären und die Leute bei Laune halten. Nichts ist heute schöner als die Auflösung eines Fehlers. Der kleine Triumph des Technokraten. Die Zähler sagen Teilergebnisse an. Hinnehmbare Größenordnungen bei der NPD. Schmerzhafte Schläge bei den AfD-Ergebnissen. Im Gesicht der Beisitzerin weicht die Zuversicht auf einen Wahlsieg der Linken. In Nanosekunden. Wenigstens ist die CDU noch vorn. Viel Luft nach hinten ist aber nicht. In der Not frisst der Wahlhelfer Fliegen. Ich validiere die Ergebnisse. Stille.


Es geht weiter. LEGIDA bekommt eine Ausweichstrecke. Die Polizei setzt sich massiv dafür ein, dass nicht an ihrem Hauptquartier vorbei demonstriert wird. Auch ein Statement. Doch die Straße wird enger. Die Parteien trennt nur noch der böse Blick der behelmten Einsatzkräfte. Ich sehe auch hier bekannte Gesichter und bekannte Gesichter sehen mich. Es ist das kleine Glück des Abends. Vorm Reichsgerichtsgebäude fällt dann die Maske der scheinbaren Parteienferne. »AFD! AFD! AFD!!!«. Die furchtbarste Zuversicht grinst ins Dunkel, schlagartig von Blaulichtern erhellt. Allen wird klar, dass das hier nur wenige auf der Straße sind. An eine Minderheitenmeinung zu glauben fällt immer schwerer. Die AfD ist der archimedische Punkt, unsere, meine bürgerliche Bequemlichkeit ein beinahe unendlich langer Hebel. Es reichen 250 Leute aus, um das System zu kippen. Neuer Stopp. Alte Reden. Weitere Verhandlungen mit der Polizei über einen Abbruch der Demo und einene geordneten Rückzug. Warten. Reden. Warten. Reden. Die ehemalige »DDR-Bürgerrechtlerin« meint, dass sie die AfD wählen würde, selbst wenn dort der Teufel regierte. Der kleine Rechte-Politiker grinst. Wie immer. Der ehemalige NPD-Stadtrat brüllt dem Polizeichef ein »Bernd das Brot!!!« hinterher und feixt mit der Miene eines Kindes, dass nicht begreift, dass es sein eigenes Haus gerade anzündet. Es geht weiter.


»Es geht immer weiter«, meint der Taxi-Fahrer, der uns zum Rathaus bringt. Wir müssen unsere Unterlagen abgeben. Von den Ergebnissen haben wir bewusst nichts mitbekommen wollen, um keine Unruhe in die Auszählung zu bringen. »Es geht immer so weiter, auch mit der AfD. Die stehen wohl bei 13 Prozent. Schulz hat bereits angekündigt, dass er mit der SPD in die Opposition gehen wird. Aber ich begreife die Leute nicht. Echt nicht. AfD? Meine Fresse!«. Das Rathaus gleicht einem Bienenstock. Ich trage meine Ausbeute hinein, werde abgefertigt, man dankt mir. Alles wie immer. Es geht immer weiter. Auf dem Heimweg kreuzt eine spontane Anti-AfD-Demo unseren Weg. Nichts geht mehr immer weiter. Meine Kollegin barmt. »Demo gut und schön, aber ich will nach Hause!«. Kann es ihr nicht verdenken. Das Blut verlässt meine Lippen. Es wird kalt. Es wird Herbst.


Wir sind in Deutschland. Es geht seinen Gang. Die Demonstration endet in einer Seitenstraße. Vor der leeren Ex-Comicbuchhandlung stehen 250 bittere Witzfiguren, Polizisten, das Ordnungsamt und ich. Deutschsein kommt wieder in Mode. Im Gestern festhängen und es Biografie nennen, das Morgen befürchten, im Heute barmen – ebenso. Aus dem Verlagsgebäude der hiesigen Tageszeitung überschallt uns Beethoven. Die Leute in den Wohnhäusern lehnen sich auf die Fensterbretter und schlagen Topfgeschirr aneinander. Der Soundtrack einer absurden Revolution. Jemand trägt eine Botschaft mit sich herum: »Thälmann würde AfD wählen«. Die Straße ist also gefüllt mit Antifaschisten? Was sind dann die Gegendemonstranten? »ROTLACKIERTE FASCHISTEN!« brüllt man ins Mikro. »Noch eine Viertelstunde, dann ist hier Feierabend« gibt ein Polizist seinen Kollegen bekannt.


Feierabend. Fernsehpolitiker erklären Fernsehmachern in fernsehtauglichen Slogans, dass sie zwar nicht gewonnen haben, aber die Verluste der Anderen ja doch deutlich schwerer wögen. Feiste Gesichter, trainiertes Gelächel, Haltung posierend. Als Demokrat freue ich mich über die gute Wahlbeteiligung. Als politischer Mensch ärgert mich das Ergebnis, aber wer in Sachsen lebt, hat gelernt mit diesen Zuständen kalter innerer Wut zu leben. Die AfD ist drin. Der moralische Mensch in mir weint. Der Osten, speziell Sachsen, hat sie dorthin gebracht. Meine Heimat. Meine Landsleute. Meine Familie? Wer weiß. Petry und Co. sind hier stärkste Partei in einer zur Unkenntlichkeit sklerotisierten Politiklandschaft geworden.


LEGIDA zieht von dannen. Eine Straßenbahn wartet, um die Demonstranten wegzubringen. Bonmot des Abends: Sie passen alle in einen Zug. Wasserwerfen kreuzen über die Gleise. Die Polizei sperrt ohne Verstand Wege ab. In drei Tagen ist Wahl. Die in der Bahn wissen, was passieren wird, obschon sie es nicht wissen können. Die draußen werden nicht glauben können, was passieren wird.
Die Ouvertüre ist vorüber. Der erste Akt beginnt. Auf der Bühne rückt das Ensemble geschlossen nach Rechts. Der eine Teil des Publikums freut sich, der andere beschwert sich nutzlos darüber, dass er nichts mehr sieht. Narren. Götter. Sie alle buhlen um die Gunst des Publikums. Die Frage ist: Wie wird das alles enden?

Epilog

Die Grundlage, wenn ich von Moral spreche, ist die Überzeugung, dass alles, was in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft geschieht, vom Einzelnen ausgeht. So wie ich mich verhalte, beeinflusse ich das Gesamtsystem. Bin ich ignorant, schade ich der Aufgeschlossenheit aller. Sehe ich nicht mehr hin, verlieren alle einen Blickwinkel. Schweige ich, werden wir alle nach und nach stumm.

Aber ich muss ja nicht schweigen. Kann es auch nicht. Wenn es eine Zukunft geben soll, vor der ich mich nicht schämen muss, braucht es das Denken und Sprechen heute. Nicht weil ich es besser wüsste. Sondern weil ich lernen will. Ich begreife die Welt nicht mehr und ich misstraue zutiefst jenen, die mir ihre Mechanismen zutiefst überzeugt erklären wollen. Das ist Bekenntnis und Chance zugleich. Kein Hass, für niemanden.

Ich bin der Zweifel. Ich bin das Fragezeichen. Lassen Sie mich nicht damit allein. Ich weiß es doch ooch nich.

Ja zu diesem Schmerz.
Es ist wieder geöffnet.

Scheiße.

Schubél