Je suis Siebenundzwanzigkommazehn

Ständig lese ich: »Jede Art von Extremismus ist schädlich!«. Was für ein Bullshit.

Für mich klingt das dann immer wie »Jedes Geräusch ist schädlich, denn ich will schlafen!«. Oder: »Jedes Licht ist schlimm, wenn es mir die Dreckecken meiner Umgebung beleuchtet!«. Der Extremismus, das sind immer die anderen.

Irgendwie scheint es immer nur darum zu gehen, nichts tun zu müssen. Aufregung im TV? Wilde Wortwechsel im Schutzraum des Stammtischs oder des Plenums? Gerne!

Doch: Differenz, Reibung, Konfrontation im echten Leben? Um Gottes Willen! Am Ende kommt dabei heraus, dass die eigen Wahrnehmung doch nur eine Wahnnehmung ist, ohne Gültigkeit außerhalb meiner Wohlfühlzone.

Klar kann ich mich in jeden Konflikt werfen. Dann bin ich immer mittendrin, erreiche aber nichts. Klar kann ich jeden Konflikt vermeiden. Dann habe ich meine Ruhe und die Anderen ihr Recht. Stets wird der Suchende des Mittelweges verdächtig gemacht, denn er gehorcht nicht der reinen Lehre. Als wären wir Teil der spanischen Inquisition oder einer schwäbischen Kleinstadt anno 1975. Verachtet wird auch immer der Skeptiker, der mir wie eine Scheißhausfliege die Kackhaufen im Schatten meiner Argumentation aufzeigt. Dabei gibt es die. Immer.

Irgendwie ist unsere Fehlerkultur im Eimer. Heute A zu sagen und morgen zu erkennen, dass B eigentlich besser ist, obschon C bis Z auch Alternativen wären, scheint nicht drin zu sein. Das ist dann schon Extremismus, weil anders, weil anstrengend, weil herausfordernd. Und mit dem Durchhaltevermögen sieht es nicht besser aus. Da wird gepetzt und gemeldet, gesperrt und gebannt, als wäre die Welt von Ponies aus Zuckerwatte besiedelt. Kaum dass ein AfD-Mini-Trump seinen Tweet abgesetzt hat, steht hier schon wieder alles Kopf. Ausflippen statt Auskontern nach Art eines Hühnerhaufen.

Bloß weil Dich einer nicht versteht, ist er nicht gleich der Feind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass einer von euch beiden dämlicher oder klüger ist. Und nur weil sich unser Leben im auch Internet abspielt, sind wir keine Nullen und Einsen. Lobet die Grauzone. Heil der Verwirrung. Bleibt cool. Feiert die entschlossene Unentschlossenheit. Ich zumindest tu’s.

Das habt ihr nun davon.

Schubél